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Warum Katholiken und orthodoxe Christen Ostern an unterschiedlichen Daten feiern

Katholiken und orthodoxe Christen feiern nicht zwei verschiedene Osterfeste. Sie berechnen dasselbe Fest auf zwei unterschiedliche Arten. Die Grundregel ist seit dem Konzil von Nizäa dieselbe: Ostern wird nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche, nach dem österlichen Vollmond und an einem Sonntag gefeiert. Der Unterschied entsteht erst später, bei den Kalendern und Berechnungstabellen, mit denen diese Regel in ein konkretes Datum übersetzt wird.

Erläuterung

Die westlichen Kirchen berechnen Ostern nach dem gregorianischen Kalender und dem westlichen Komputus. Die meisten orthodoxen Kirchen verwenden für Pascha weiterhin den julianischen Paschalion, auch wenn einige von ihnen für feste Feiertage bereits den revidierten julianischen Kalender nutzen. Deshalb fallen die "kirchliche" Frühlings-Tagundnachtgleiche und der "kirchliche" Vollmond in östlicher und westlicher Tradition oft auf unterschiedliche Tage.

Darin liegt ein wichtiges Paradox: Wer feste Feiertage auf den revidierten julianischen Kalender umstellt, ändert damit nicht automatisch auch die Osterberechnung. Für Ostern halten viele orthodoxe Kirchen bewusst an der traditionellen Methode fest, damit die gemeinsame Pascha-Feier untereinander erhalten bleibt.

Details

Wichtig ist, kirchliche Berechnung nicht mit Echtzeit-Astronomie zu verwechseln. Sowohl Katholiken als auch orthodoxe Christen bestimmen Ostern normalerweise anhand von Kalenderregeln und Ostertafeln, nicht durch direkte Himmelsbeobachtung in jedem Jahr. Der Unterschied besteht darin, dass die westlichen Tabellen an den gregorianischen Kalender gebunden sind, während die östliche Berechnung traditionell dem julianischen Kalender folgt. Im 21. Jahrhundert entspricht der 21. März des julianischen Kalenders dem 3. April im zivilen gregorianischen Kalender. Dadurch liegt die orthodoxe Berechnung oft schon von Anfang an später.

Hilfreich ist auch eine Erklärung des Begriffs "österlicher Vollmond". Gemeint ist nicht unbedingt derselbe Vollmond, den man in dieser Nacht am Himmel sieht. In der kirchlichen Berechnung handelt es sich um ein errechnetes Kalenderdatum. In der östlichen Tradition sind die Ostertafeln mit dem 19-jährigen metonischen Zyklus verknüpft, nicht mit direkten modernen Observatoriumsdaten. Deshalb stimmen astronomischer Vollmond und kirchlicher österlicher Vollmond nicht immer exakt überein.

Darum unterscheiden sich die Daten nicht in jedem Jahr. Manchmal fallen sie zusammen, wenn beide Systeme auf denselben Sonntag nach dem betreffenden österlichen Vollmond führen. In anderen Jahren können westliches und östliches Osterdatum eine Woche oder sogar noch weiter auseinanderliegen.

Und was ist mit Pessach?

Oft hört man, das orthodoxe Pascha "müsse immer nach dem jüdischen Pessach liegen". Diese Erklärung ist verbreitet, aber zu einfach. Historisch hat die Kirche ihre eigene Methode zur Berechnung von Pascha entwickelt und das Datum nicht direkt an den modernen jüdischen Kalender gebunden. Gleichzeitig bewahrt die östliche Tradition tatsächlich den Grundsatz, Pascha nicht vor Pessach und nicht gleichzeitig mit Pessach zu feiern. Das ist einer der Gründe, warum das orthodoxe Datum in der Praxis oft später liegt. Der Hauptgrund für den Datumsunterschied bleibt aber die Verwendung unterschiedlicher Kalender und unterschiedlicher Ostertafeln.

Kurz gesagt

  • Die Grundregel ist dieselbe: nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche, nach dem österlichen Vollmond und an einem Sonntag.
  • Der "österliche Vollmond" ist ein errechnetes Datum: er entspricht nicht immer dem Vollmond am Himmel, weil die Kirche mit Ostertafeln arbeitet.
  • Der revidierte julianische Kalender ändert Ostern nicht automatisch: feste Feiertage können verschoben werden, während Pascha weiterhin separat berechnet wird.

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